Wichtig für den Umgang mit den folgenden Texten

Die folgenden Texte bezwecken, Sie zu informieren und Ihnen hilfreiche Tips an die Hand zu geben.
Ich habe die Texte nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Zum großen Teil basieren Sie auf meiner persönlichen und beruflichen Erfahrung. Ich kann jedoch keine Verantwortung und Haftung für den Umgang mit den Inhalten übernehmen, u.a. da ich diesen nicht persönlich "begleiten" kann. Im Zweifelsfall bitte ich Sie, sich persönlich an mich oder an einen anderen Fachmann zu wenden.

1. Welche Folgen haben ungelöste Paarkonflikte?

2. Sind Paarkonflikte ein Zeichen für persönliches Versagen?

3. Wie finde ich den passenden Paartherapeuten, Paarberater, Eheberater?

4. Hilft das Gespräch mit guten Freunden?

 

1. Welche Folgen haben ungelöste Paarkonflikte?

Es gibt natürlich sehr viele unterschiedlich Folgen. In einigen Fällen regenerieren Beziehungen nach kleinen oder auch größeren Beziehungskrisen (zumindest einigermaßen) selbst dann, wenn die Konflikte ungelöst bleiben.

In vielen Fällen aber führen mehrere ungelöste kleine Konflikte oder ein einzelner größerer Beziehungskonflikt zu einer negativen Entwicklung für die Beziehung.
Der folgende Negativverlauf von Paarbeziehungen begegnet mir, wenn auch immer in abgewandelter Form, in meinen Sitzungen sehr oft:
Ungelöste Paarkonflikte wirken für das Paar meistens belastend und vermindern Lebensfreude und Zufriedenheit. Sie hinterlassen zudem in der Regel Spuren im psychischen System der Beziehungspartner. Zum Beispiel sammelt einer oder es sammeln beide negative Gefühle an. Diese können zu gereiztem oder aggressiven Verhalten oder auch zum Rückzug in der Beziehung führen. Liebe, Zuneigung und auch die Sexualität reduzieren sich dann meist - der partnerschaftliche Kontakt verschlechtert sich zunehmend.
Oft kommt es zu voreiligen Trennungen oder ein Paar erleidet den schlechten Zustand seiner Beziehung über einen langen Zeitraum, bis es dann später zur Trennung kommt. In einigen Fällen kommt es auch zu einem lebenslang arrangierten und nicht besonders glücklichem Zusammenleben.

Ich empfehle, Paarkonflikte und Beziehungsstress möglichst direkt anzugehen und sie nicht auf die lange Bank zu schieben. Dies gilt besonders auch für wiederkehrend auftauchende kleinere Konflikte, die in ihrer negativen Gesamtwirkung (schleichender Prozess, kontinuierliches Ansammeln von negativen Gefühlen) oft unterschätzt werden.
Kann ein Paar seine Konflikte alleine nicht lösen, macht es meistens Sinn sich Unterstützung zu holen. Oftmals kann bereits mit wenigen Sitzungen viel erreicht werden - im Besonderen auch durch eine Verbesserung der Kommunikation und durch Erkennen und Verändern der maßgeblichen schädlichen Muster und Beziehungsdynamiken.

 

2. Sind Paarkonflikte ein Zeichen für persönliches Versagen?

Im Vergleich mit heute entdecken wir in den vorangegangenen Generationen bedeutend weniger Ehescheidungen. Nach der Hochzeit lebten die Menschen in vielen Fällen bis an ihr Lebensende zusammen.
Zumindest bei Menschen, die die Beziehungsprobleme ihrer Eltern und Großeltern nicht mitbekamen, kann dies leicht den Eindruck erwecken, als hätten die uns vorangegangenen Generationen gute und gelingende Beziehungen geführt. Gebeutelt durch unsere vielfältigen Beziehungsprobleme und gescheiterten Partnerschaften denken viele von uns: "Die haben es hingekriegt und ich habe versagt".

Sowohl der Eindruck als auch die Schlussfolgerung sind falsch. Auch in den vorangegangenen Generationen gab es nur wenige Beziehungen, die langjährig wirklich glücklich und erfüllend verliefen. Viele Paare lebten mehr oder weniger unzufrieden und arrangiert zusammen.
Dies wurde der Außenwelt aber nur selten mitgeteilt oder gezeigt - über partnerschaftliche Probleme wurde generell weniger gesprochen als heute. So etwas wie Paartherapie oder Eheberatung gab es, bis auf wenige Ausnahmen, früher ebenfalls nicht. In einigen Fällen versuchten Priester oder Pastore Hilfe zu leisten - aufgrund fehlender therapeutischer Ausbildung, einengender kirchlicher Vorgaben und mangels eigener Eheerfahrung (zumindest bei den katholischen Geistlichen) oft leider kein sehr erfolgreiches Unterfangen.

Es gab auch gewichtige Gründe, warum ungut verlaufende Beziehungen früher kaum beendet werden konnten: Scheidung galt (gilt!?) aus kirchlicher Sicht als verboten und als schlimmes Vergehen. Frauen verloren durch eine Scheidung ihr gutes soziales Ansehen (eher als Männer). Viele Frauen waren zudem von ihren Ehemännern wirtschaftlich stark abhängig.

Heute sind Trennungen und Scheidungen viel eher möglich als früher. Nachlassende religiöse, soziale und wirtschaftliche Zwänge, Emanzipation, Information und Aufklärung machen dies möglich.
All dies schafft zugleich neue Perspektiven: Wir haben heute die Möglichkeit herauszufinden und auszuprobieren, wen und was wir möchten und wen und was nicht. Dadurch sind die Ansprüche an Beziehungen bei vielen Menschen gestiegen und individuell sehr unterschiedlich geworden.
Dies macht die Partnerwahl und auch die Gestaltung einer Beziehung nicht gerade leichter. Vielleicht haben wir es in gewisser Weise heute somit sogar schwerer als die uns vorangegangenen Generationen.

Zusammenfassend lässt sich sagen:

Partnerschaftliche Probleme und Beziehungsstress gehörten und gehören zum menschlichen Alltag und sind nicht nur das Problem einiger weniger Menschen heute - wir haben fast alle damit zu kämpfen.

Oft fehlen uns die notwendigen Einsichten und Mittel zur Konfliktlösung; gibt es doch weder einen Beziehungsführerschein noch ein Schulfach "Liebe und Beziehung". Wieviele Menschen kennen wir zudem, die uns gut vorleben oder vorgelebt haben, wie man sich gut auseinandersetzt und dauerhaft eine glückliche Beziehung führt?

Es ist deshalb keine persönliche Schande und es handelt sich auch nicht um persönliches Versagen, wenn wir Beziehungskonflikte haben und wenn Beziehungsversuche scheitern.
Niemand sollte sich also schlecht fühlen, wenn zur Lösung von Paarkonflikten Unterstützung benötigt wird. Im Gegenteil: Klopfen Sie sich selbst auf die Schulter, wenn Sie den Mut haben, einem anderen Menschen von Ihren Problemen zu erzählen und sich Ihren Paarkonflikten zu stellen.

 

3. Wie finde ich den passenden Paartherapeuten, Paarberater, Eheberater?

Die Berufsbezeichnungen Paartherapeut, Paarberater und Eheberater sind in Deutschland nicht rechtlich geschützt. Es gibt keine vorgeschriebenen Ausbildungen und keine Zulassungen, die zum Tragen der Berufsbezeichnung oder zum Ausüben der Tätigkeit vorgeschrieben sind.
Praktisch und rechtlich gesehen kann sich somit jeder geschäftsfähige, erwachsene Mensch Paartherapeut/In, Paarberater/In oder Eheberater/In nennen und auch die jeweiligen Leistungen anbieten.
All dies gilt im Übrigen auch für den Beruf des psychologischen Beraters.

Rechtliche Vorgaben zur Tätigkeitsausübung von Paarberatern / Paartherapeuten gibt es hingegen im folgenden Zusammenhang:
Spielen im Rahmen einer Paartherapie, Paarberatung, Eheberatung Symptome einer psychischen Erkrankung eines oder beider Partner eine Rolle - werden also Krankheitssymptome (mit-) behandelt, fällt dies in den Bereich der Heilkunde. Es handelt sich in diesem Fall rechtlich gesehen um Psychotherapie, auch wenn der Vorgang als Paartherapie, Paarberatung oder Eheberatung bezeichnet wird.
Psychotherapie dient der Prävention, Linderung oder Heilung von psychischen Erkrankungen und darf nur von speziell dafür ausgebildeten bzw. zugelassenen Berufsgruppen durchgeführt werden. Der Paartherapeut muss in diesem Fall Facharzt, psychologischer Psychotherapeut oder Heilpraktiker (Psychotherapie) sein.

Für Sie als KlientIn ist somit bei der Suche nach einem Paarberater / Paartherapeuten u.a. folgendes wichtig:

- Aufgrund fehlender Zulassungskriterien für den Beruf Paartherapeut, Paarberater, Eheberater ist es notwendig sehr gut zu schauen, dass Ihr Berater / Therapeut gut ausgebildet ist. Dies ist für den Laien natürlich leider nicht immer einfach zu beurteilen - was Sie aber nicht davon abhalten sollte, dem Therapeuten Ihrer Wahl entsprechende Fragen nach Ausbildung und Erfahrung zu stellen. Vielleicht kennen Sie auch jemand, der ein wenig fachkundig ist und Sie bei der Auswahl unterstützen kann.

- Verlassen Sie sich besonders auch auf Ihr Gefühl und schauen Sie, ob Sie der Berater / Therapeut Ihrer Wahl persönlich anspricht. Überprüfen Sie genau, ob Sie sich bei Ihrer Therapeutin / Ihrem Therapeut angenommen, verstanden und gut aufgehoben fühlen.

- Schauen Sie auch, ob bereits in den ersten Sitzungen Dinge geschehen, die Ihnen weiterhelfen: Erhalten Sie neue Erkenntnisse über sich selbst, neue Sichtweisen, neue Handlungsmöglichkeiten? Entstehen erste Gefühle der Erleichterung? Tun Ihnen die Sitzungen gut? Beginnt ein Veränderungsprozess?
Gerade bei Menschen, die Ihre Therapiekosten selbst tragen (dies ist bei einer Paartherapie ja so), findet sich meist eine recht hohe Therapiemotivation. Letztere trägt nach meinen Erfahrungen sehr dazu bei, dass erste Verbesserungen und Veränderungen meistens schnell möglich sind. Geschieht dennoch nach mehreren Sitzungen keine Verbesserung, sollte zumindest reflektiert werden, woran dies liegt und ob die Zusammenarbeit passt.

- Spielen Symptome einer psychischen Erkrankung bei den jeweiligen Paarkonflikten eine Rolle, ist es wichtig, sich an einen Paartherapeuten mit einer entsprechenden Zulassung (siehe die oben genannten Berufsgruppen) zu wenden.

 

4. Hilft das Gespräch mit guten Freunden?

Bei Beziehungsproblemen und Beziehungskrisen kann das Gesräch mit einer guten Freundin oder einem guten Freund sehr hilfreich sein. Meistens tut es gut, mit den eigenen Problemen nicht alleine zu bleiben und einem Menschen von den Dingen zu erzählen, die einen bewegen und belasten. Allein das Aussprechen der Dinge geht oft mit einem Gefühl der Erleichterung einher. Erhalten Sie zudem ein gutes Feedback, fühlen Sie sich vielleicht bestätigt und gestärkt oder Sie können den eigenen Standpunkt überprüfen oder neue Sichtweisen und Haltungen entwickeln.

Im Gespräch mit FreundInnen sollten Sie aber auch achtsam sein:

- Es kann sein, dass sich Ihre beste Freundin (Ihr bester Freund) in den Gesprächen Ihre Meinung übernimmt oder Sie bestätigt, weil sie (er) sich Ihnen solidarisch zeigen möchte. In diesem Fall haben Sie zwar jemand auf Ihrer Seite, eine objektive Stellungnahme oder zweite Meinung erhalten Sie jedoch nicht.

- Viele beste FreundInnen hören zwar zu (manchmal notgedrungen), können aber keine objektive und somit für Sie hilfreiche Stellungnahme abgeben, weil Sie irgendwie in die Situation verwickelt oder von ihr mitbetroffen sind - sei es, dass Sie dem anderen Beziehungspartner auch nahestehen, von diesem persönliche Nachteile zu erwarten haben, etc. .

- Wie gerne hätten wir in manchen schwierigen Lebenslagen jemanden der uns sagt, wo es genau langgeht und was wir genau tun sollen. Nehmen Sie die Feedbacks von FreundInnen dennoch nur als "Reflektionshilfe" und entwickeln Sie Ihre eigene Haltung - eine Haltung, die sich für Sie selbst gut und stimmig anfühlt. Fällen Sie Ihre eigenen Entscheidungen, zu denen Sie selbst stehen können. Selbst wenn Sie scheitern, können Sie aus dem Erlebten etwas lernen und daran reifen und somit in Zukunft besser entscheiden - und zwar selbst.

- Ihre Zuhörerin (Ihr Zuhörer) hat auch eine eigene Lebensgeschichte und eigene Verletzungen erlebt. Daraus entwickeln sich Einstellungen und Verhaltensweisen, die in zukünftigen Beziehungssituationen Anwendung finden - und möglicherweise auch, wenn Sie von Ihrer besten Freundin (Ihrem besten Freund) Ratschläge erhalten. Reflektieren Sie genau, ob Sie wirklich im Blick des zuhörenden Menschens sind. Schauen Sie, ob Ihr Gegenüber sich in Sie einfühlt und auch Ihre Perspektive einnimmt oder ob der zuhörende Mensch unbewusst lediglich dabei ist, seine eigenen Sichtweisen und Einstellungen auf Sie zu übertragen.
Geschieht letzteres, sind die jeweiligen Feedbacks für Sie im besten Fall nutzlos, im schlimmsten Fall sogar schädlich.

Anmerkung:

Auch in Therapiesitzungen kann es vorkommen, dass der Therapeut seine eigenen Themen mit den Ihren vermischt. Vorgänge, die mit den Fachbegriffen Projektion und Übertragung bezeichnet werden, spielen hier meistens eine große Rolle.
Damit so etwas nicht oder möglichst selten vorkommt, beinhalten gute therapeutische Ausbildungen ein größeres Kontingent an Selbsterfahrung und Therapiesitzungen, die der Therapeut selbst durchlaufen muss - um seine eigenen Themen und Muster kennen zu lernen und zu bearbeiten.

Haben Sie in einer Therapiesitzung das Gefühl, dass der Therapeut sauer auf Sie ist? Haben Sie in der Paartherapie das Gefühl, dass sich der Therapeut mit einem der beiden PartnerInnen solidarisiert? Findet Ihre Sichtweise keine Anerkennung und wird vielleicht sogar "vom Tisch gewischt"?
In diesen Fällen könnten die zuvor genannten, unbewussten Anteile des Therapeuten eine Rolle spielen. Selbst ein gut ausgebildeter und sehr selbsterfahrener Therapeut ist nicht kommplett davor gefeit.
Sprechen Sie deshalb den Vorfall ruhig an. Ein Therapeut, bei dem Sie gut aufgehoben sind, wird sich mit sich selbst und mit Ihnen respektvoll und gut auseinander setzen und Ihnen letztlich dafür dankbar sein.

 

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